Männermode: “Angst, schwul zu wirken”

 

"Männermode ist einfach!" (Bild: Peter M. Mayr)

"Männermode ist einfach!" (Bild: Peter M. Mayr)

Viele Männer halten es für unmännlich, sich für Mode zu interessieren. Schade eigentlich. Das Selbstcoaching Magazin hat mit einem gesprochen, der sich für guten Geschmack in der Herrenwelt einsetzt: Der Wiener NLP-Trainer und Lifestylist Markus Cerenak.

Markus, wonach hast Du heute morgen entschieden, was Du anziehst?
Das war ganz einfach: Ich habe 40 weiße Hemden im Schrank, von denen ich mir eines gegriffen habe. Dazu eine Jeans, die mir steht. Und fertig! Ich bin ein Fan des Simplify-Wegs, meine Mode reduziert sich weitgehend auf schwarz, blau und weiß.

Wie langweilig!
Überhaupt nicht! Alfred Hitchcock hatte 25 identische Anzüge im Schrank und war auch nicht langweilig. Wenn man sich Fotos von Tom Ford, Giorgio Armani oder Karl Lagerfeld der letzten zehn Jahre anschaut, sehen die immer gleich aus – und zwar gleich gut. Männer müssen nicht jedes halbe Jahr überlegen, was die aktuellen Trendfarben und Schnitte sind, ob die Röcke nun knapp über dem Knie oder unter dem Knie aufhören sollten und ob die Schuhe gerade Plateau sind, ob sie eine Karree oder eine normale Spitze haben.

Männermode ist also einfach?
Und wie! Wenn wir einmal unseren Stil gefunden haben, können wir lange dabei bleiben. Männer glauben immer, Mode sei ein riesiger Aufwand und koste viel Zeit und Geld. 

Weshalb sie sich nicht damit beschäftigen.
Genau. Außerdem haben sie Angst, schwul zu wirken, wenn sie sich für Mode interessieren. Denn während es bei Frauen ganz normal ist, über Mode zu sprechen, gilt es bei den Herren oft als unmännlich. Am ersten Tag unserer Seminare wird das Thema „Äußerlichkeiten“ von den Teilnehmern oft heruntergespielt. Am zweiten Tag ist es dann das am stärksten diskutierte Thema. Man(n) kann endlich frei sprechen, in einer geschützten Gruppe, wo keiner ausgelacht wird.

Und dann finden Männer zum eigenen Stil?
Ja. Ich rate ihnen dabei, mit Klischees zu arbeiten. So haben bestimmte Schauspieler immer ein bestimmtes Image: Hugh Grant ist eher der weiche, einfühlsame Typ, Bruce Willis der coole, starke Alpha. Man könnte Willis nie in das Outfit von Grant stecken. Genauso wenig wie man George Clooney die Klamotten von Johnny Depp überziehen könnte.

Ich muss mich in Sachen Mode also entscheiden, ob ich eher Depp oder Clooney bin?
…oder Grant oder Willis und so weiter. Der Trick ist: Mode-Klischees helfen bei der Stil-Findung. Ein guter Stil ist der, der den eigenen Charakter unterstreicht und die Ausstrahlung fördert. Es geht nicht darum zu kopieren, sondern die Klischees zu nutzen und damit einen eigenen, individuellen Weg zu finden.

So wie Johnny Depp mit Hut und Brille?
Sein Hut, drei Schals und fünftausend Armbänder: Das sind aggressive Show-Items, die längst nicht jeder tragen kann – Sie sind was für Exzentriker. Clooney arbeitet dagegen mit Understatement, trägt fast ausschließlich schwarz-weiße Anzüge. Bei mir ist es so: Ich trage stets weiße Hemden, habe aber zum Beispiel auch immer ein Lederarmband ums Handgelenk. Es sind die Kleinigkeiten, die Accessoires, und die Details, die den Unterschied machen, der unbewusst auffällt.

Eine Mischung aus Depp und Clooney also! Aber sind wir mal ehrlich: So gut wie die beiden sehen nun einmal die wenigsten Männer aus…
…aber darum geht es auch nicht. Ein Mann muss nicht schön sein, sondern optisch optimiert. Das heißt, dass er das Beste aus seinem Typ herausholt und an seiner Ausstrahlung arbeitet. Ein Mann, der weiß, was ihm steht, wirkt attraktiver als ein Schönling, der sich nicht zu kleiden weiß. Es gibt also neben dem „good looking“ auch ein „looking good“.

Mal ganz konkret: Wer kann rosa Hemden tragen?
Rosa Hemden stehen nur dunkelhaarigen Typen. Generell würde ich Männern von Farben abraten, wenn sie sich nicht damit auskennen. Vor allem Rothaarige müssen mit Farben vorsichtig umgehen. Und sie sind absolut kein Muss! Giorgio Armani hat gesagt: „Es gibt keinen Mann, der in einem weißen Hemd mit einer gut sitzenden Jeans nicht gut aussieht.“

Weiße Hemden, Jeans – was braucht Mann noch im Schrank?
Ein dunkelblauer oder grauer Anzug ist nie verkehrt. Schwarze Anzüge sind im Büro übrigens fehl am Platz, was viele Männer nicht wissen. Dazu braucht Mann ein paar schwarze und ein paar braune Schuhe, die passenden Gürtel dazu. Ein paar Chinos, zwei Sportsakkos, die man zu Jeans tragen kann und einen dunkelgrauen Mantel. Das ist die Basisausrüstung. 
Der Rest hängt vom Lifestyle ab. Ist Mann also eher der casual oder der klassische Typ, stehen ihm also besser T-Shirt oder Hemd? Welche Show-Items passen dazu?

Und dann? Kann man mit dieser Ausrüstung noch was falsch machen?
Leider ja! Viele Männer achten nicht auf die optimale Größe, tragen meist Anzüge, T-Shirts, Hemden oder Hosen, die ihnen zu groß sind. Sie fragen sich, warum sie nicht genauso aussehen wie die Models auf den Plakaten und schieben es auf den Preis: Ein Armani-Anzug für 1500 Euro sehe einfach besser aus. Doch das ist es nicht: Würde das Model eine Nummer zu groß tragen, würde es genauso blöd aussehen. Mit Jeans ist es genauso. Mode muss sitzen!

Weitere No-Gos, bitte!
Erstens: Niemals eine Anzughose mit einem andersfarbigen Sakko kombinieren – das machen nur Versicherungsvertreter. Zweitens: Ungepflegt geht gar nicht. Vor sechs, sieben Jahren habe ich die Männer in meinen Seminaren gefragt, ob sie intim rasiert sind. 80 Prozent haben mich da ungläubig und verwirrt angeschaut. Mittlerweile gibt es kaum einen Mann, der sich diesbezüglich nicht um sich kümmert. Es ist selbstverständlich geworden.

In deinen Vorträgen zitierst du gern das kosmische Gesetz „Wie innen, so außen“ - Was hat es damit auf sich?
„Nur die inneren Werte zählen“, heißt es oft. Doch wer sich verändern will, tut gut daran, sich nicht ausschließlich aufs Innere zu konzentrieren. Der erste Eindruck ist eben das, was wir sehen. Eine äußere Veränderung kann den inneren Wandel unterstützen, indem wir positive Reaktionen, Komplimente und Anerkennung bekommen. Wer sich umgekehrt nur mit der Optimierung des Äußeren beschäftigt, klammert das Innere aus. Beides gehört untrennbar zusammen. Und jeder Mann kann das Beste aus sich herausholen – wie innen, so außen!

 

 

Markus Cerenak, Jahrgang 1973, ist NLP-Trainer bei ZHI Consulting, systematischer Coach und Lifestylist. In seinen Seminaren kombiniert er Persönlichkeitsentwicklung mit der Optimierung des Optischen. 2011 hat er mit seinem Kollegen Martin Reinelt das “Gentleman Project” ins Leben gerufen, eine Seminarreihe zum Thema „Mann sein“. Neben Männermode geht es dort auch um die Fragen: Wo hat Mann seinen Platz in der Gesellschaft, was ist guter Lifestyle und wie gehe ich am besten mit Frauen um…